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Geschichte

Geschichte des Mesnerhauses in Mauterndorf

Ein Haus. Viel Liebe.

1420–heute

Ein Haus als Zeuge seiner Zeit

Mehr als sechs Jahrhunderte unter einem Dach

Wer heute das Mesnerhaus betritt, begegnet nicht nur einem Restaurant und Boutique-Hotel. Das Gebäude trägt Spuren vieler Jahrhunderte in sich. Massive Mauern, historische Stuben, Holzdecken und Gewölbe erzählen von Menschen, die hier gearbeitet, gewohnt, gelernt und Gäste empfangen haben.

Bar im Mesnerhaus

Die Geschichte des Hauses ist eng mit der Entwicklung Mauterndorfs verbunden. Der Ort liegt an alten Verkehrswegen und besitzt historische Wurzeln, die bis in die Römerzeit zurückreichen. Im späten Mittelalter wurde der Lungau durch Bergbau, Handel und Handwerk geprägt. In diesem Umfeld entstand auch jenes Gebäude, das heute als Mesnerhaus bekannt ist.

Nicht jede Einzelheit seiner frühen Geschichte lässt sich lückenlos belegen. Dokumentierte Ereignisse, bauliche Spuren und lokale Überlieferungen verbinden sich daher zu einer Erzählung, die ebenso vom Haus wie von der Erinnerung einer ganzen Region handelt.

um 1420

Die Wurzeln im Bergbau

Gebaut für eine Zeit des Aufbruchs

Die Anfänge des Mesnerhauses werden auf das Jahr 1420 datiert. Damit fällt seine Entstehung in das 15. Jahrhundert – eine Zeit, in der der Bergbau im Lungau wirtschaftliche Bewegung und neue Möglichkeiten schuf. Gold, Silber und weitere Erze zogen Bergleute, Handwerker, Händler und Fachleute in die Region.

Die frühen Bewohner und Erbauer des Hauses werden mit diesem bergbaulichen Umfeld in Verbindung gebracht. Das Gebäude entstand robust und zweckmäßig. Seine starken Mauern boten Schutz vor dem rauen Klima und schufen Räume, die über Generationen hinweg immer wieder angepasst werden konnten.

Restaurantbereich im Mesnerhaus

Gerade diese solide Bauweise dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass das Mesnerhaus die kommenden Jahrhunderte überdauerte. Während sich Lebensweisen, Berufe und Nutzungen veränderten, blieb der Kern des Gebäudes bestehen.

Die frühe Geschichte erinnert daran, dass Mauterndorf kein abgelegener Ort ohne Verbindungen war. Bergbau und alte Verkehrswege machten den Lungau zu einem Raum des Austauschs. Menschen, Waren, Wissen und Ideen kamen durch die Region – und hinterließen Spuren, die bis heute sichtbar sind.

15.–16. Jh.

Zwischen Geschichte und Legende

Paracelsus und die Erinnerung des Ortes

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung kamen nicht nur Handwerker und Händler in die Region. Auch Ärzte, Naturkundige und Gelehrte beschäftigten sich mit den Mineralien, Pflanzen und Heilmitteln des Alpenraums.

Eine lokale Überlieferung verbindet den Arzt, Naturphilosophen und Alchemisten Theophrastus Bombast von Hohenheim, bekannt als Paracelsus, mit Mauterndorf und dem Mesnerhaus. Ob er tatsächlich in genau diesen Räumen lebte oder arbeitete, ist historisch nicht eindeutig nachweisbar. Gerade deshalb gehört diese Episode in den Bereich zwischen belegbarer Geschichte und gewachsener Legende.

Wintergarten im Mesnerhaus

Die Erzählung passt dennoch zu ihrer Zeit. Paracelsus setzte sich intensiv mit der Wirkung von Mineralien, Pflanzen und natürlichen Stoffen auseinander. Der Lungau mit seinen Bergwerken, alpinen Kräutern und alten Handelswegen wäre für einen solchen Forscher ein nachvollziehbarer Anziehungspunkt gewesen.

Für das Mesnerhaus ist diese Überlieferung weniger als Beweis denn als Teil seiner kulturellen Erinnerung bedeutsam. Sie zeigt, wie eng die Geschichte eines Hauses mit Geschichten verbunden sein kann, die über Generationen weitererzählt werden.

Sorgfältig erzählt: Diese Episode wird ausdrücklich als lokale Überlieferung gezeigt – nicht als historisch gesicherte Tatsache.

17.–18. Jh.

Das Haus verändert sich

Bewahren heißt weiterbauen

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Mesnerhaus baulich weiterentwickelt. Offene Feuerstellen wurden durch gemauerte Kamine ersetzt, Räume neu geordnet und das Obergeschoss samt Holzdecken erneuert. Solche Eingriffe dienten nicht nur dem Komfort. Sie erhöhten die Sicherheit und passten das Gebäude an veränderte Lebens- und Arbeitsweisen an.

Die erhaltenen Holzdecken und historischen Bauteile geben noch heute einen Eindruck von der handwerklichen Qualität dieser Zeit. Sie machen sichtbar, dass das Haus nicht als unveränderliches Denkmal entstand, sondern sich über Jahrhunderte immer wieder weiterentwickelte.

Besondere Bedeutung erhielt diese Bauphase durch einen verheerenden Großbrand, der weite Teile Mauterndorfs beschädigte. Der Überlieferung zufolge blieb das Mesnerhaus von der vollständigen Zerstörung verschont. Dadurch konnten wesentliche Teile seiner historischen Substanz erhalten bleiben.

Dass ein Gebäude aus dem frühen 15. Jahrhundert bis heute besteht, ist kein einzelnes Wunder. Es ist das Ergebnis guter Bauweise, glücklicher Umstände und vieler Menschen, die es reparierten, nutzten und nicht aufgaben.

Ein Haus bleibt lebendig, wenn jede Generation etwas bewahrt – und etwas hinzufügt.

19.–20. Jh.

Ein Haus für die Gemeinde

Schule, Fürsorge und Gemeindeleben

Im 19. und 20. Jahrhundert wechselte das Gebäude mehrfach seine Aufgabe. Es diente der Gemeinde zeitweise als Schulhaus und wurde damit zu einem Ort des Lernens. Kinder saßen in seinen Stuben, während das Haus eine Funktion erfüllte, die weit über privates Wohnen hinausging.

Außenansicht des Mesnerhauses in Mauterndorf

Später wurde es als Altenwohnstätte genutzt. Wieder veränderte sich der Alltag innerhalb der alten Mauern: Aus Unterrichtsräumen wurden Wohn- und Gemeinschaftsbereiche, aus einem Haus der Bildung ein Ort der Fürsorge.

Seinen heutigen Namen erhielt das Gebäude durch eine weitere Nutzung. Es war Wohnhaus des Mesners der benachbarten Wallfahrtskirche. Der Mesner übernahm wichtige Aufgaben rund um Kirche, Gottesdienst und Gemeindeleben. Das Haus wurde dadurch Teil eines eng miteinander verbundenen religiösen und sozialen Umfelds.

Diese unterschiedlichen Bestimmungen machen den besonderen Charakter des Mesnerhauses aus. Es war nie bloß Kulisse. Über Jahrhunderte diente es ganz konkreten Bedürfnissen der Menschen in Mauterndorf.

Bewahrung

Vor dem Verfall gerettet

Verantwortung für gewachsene Substanz

Wie viele historische Gebäude verlor auch das Mesnerhaus im Laufe der Zeit seine ursprüngliche Funktion und war vom Verfall bedroht. Alte Häuser lassen sich nur erhalten, wenn jemand ihren Wert erkennt und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Eine entscheidende Rolle spielten Herr Schöklitsch und der Architekt Volkmar Burgstaller. Sie setzten sich für das Gebäude ein und führten eine behutsame Sanierung durch. Dabei ging es nicht darum, das Haus auf ein vermeintlich ideales Ursprungsbild zurückzubauen. Vielmehr sollte seine gewachsene Substanz gesichert und für eine neue Nutzung vorbereitet werden.

Historische Bausubstanz des Mesnerhauses

Gerade diese Verbindung aus Erhaltung und Weiterentwicklung prägt das Mesnerhaus bis heute. Historische Elemente dürfen sichtbar bleiben, während das Gebäude weiterhin eine lebendige Funktion erfüllt. Denkmalpflege wird so nicht zum Stillstand, sondern zur Voraussetzung für Zukunft.

1990er

Der Beginn der Gourmetgeschichte

Alte Stuben, neue kulinarische Ansprüche

In den 1990er Jahren begann ein neues Kapitel. Der Spitzenkoch Franz Fuiko verwandelte die alten Stuben in ein Gourmetrestaurant. Damit erhielt das Haus erneut eine Aufgabe, die zu seiner langen Geschichte des Zusammenkommens passte und zugleich völlig neue Ansprüche stellte.

Historische Räume mussten nun mit den Anforderungen professioneller Gastronomie verbunden werden. Küche, Service und Atmosphäre sollten auf hohem Niveau funktionieren, ohne den Charakter des Gebäudes zu verlieren.

Weiterentwicklung des Mesnerhauses

Franz Fuiko, der 1995 als Koch des Jahres ausgezeichnet wurde, legte damit einen wesentlichen Grundstein für den späteren Ruf des Mesnerhauses. Aus einem geretteten historischen Gebäude wurde eine kulinarische Adresse, für die Gäste bewusst nach Mauterndorf reisten.

Diese Entwicklung war keine Abkehr von der Vergangenheit. Sie setzte eine Tradition fort, die das Haus über Jahrhunderte begleitet hatte: Menschen kamen zusammen, teilten Zeit und erlebten Gemeinschaft innerhalb seiner Mauern.

2007

Maria und Josef Steffner übernehmen

Eine eigene Handschrift in einer langen Geschichte

Im Jahr 2007 übernahmen Maria und Josef Steffner das Mesnerhaus. Für Maria war es zugleich eine Rückkehr an einen vertrauten Ort: Sie hatte bereits unter Gerhard Gugg, dem direkten Vorgänger, ihre Ausbildung im Haus absolviert.

Historische Aufnahme des Mesnerhauses

Mit der Übernahme begann kein vollständiger Neubeginn. Maria und Josef traten in eine bestehende Geschichte ein, übernahmen Verantwortung für den gastronomischen Ruf und entwickelten zugleich eine eigene Handschrift.

Das historische Gebäude stellte dabei besondere Anforderungen. Veränderungen mussten funktional sein und zugleich Rücksicht auf die denkmalgeschützte Substanz nehmen. Jede Weiterentwicklung wurde damit zu einem Dialog zwischen den Bedürfnissen eines modernen Betriebs und dem Charakter eines jahrhundertealten Hauses.

Seit 2010 sind Maria und Josef nicht nur Betreiber, sondern Eigentümer. Damit wurde das Mesnerhaus endgültig zu ihrem gemeinsamen Lebenswerk – und seine Geschichte erhielt eine langfristige Perspektive.

Heute

Geschichte, die weiterlebt

Vom Restaurant zum Gastgeberhaus

Mit dem Boutique-Hotel entstanden wenige, individuell gestaltete Zimmer und eine Suite. Das Mesnerhaus wurde damit zu einem vollständigen Gastgeberhaus: ankommen, essen, Wein genießen, schlafen und am nächsten Morgen in Ruhe frühstücken.

Außenansicht des Mesnerhaus Boutique-Hotels

Auch diese Erweiterung folgt der historischen Logik des Ortes. Das Haus hat seine Funktion im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert, ohne seine Identität zu verlieren. Aus Räumen des Arbeitens, Lernens und Wohnens wurden Räume des Genusses und der Erholung.

Alte Mauern und Stuben bilden keinen dekorativen Hintergrund, sondern geben dem Erlebnis Tiefe und Unverwechselbarkeit. Maria und Josef verstehen sich als Gastgeber in diesem Haus und zugleich als Bewahrer eines kulturellen Erbes. Sie führen es weiter, indem sie das Gebäude nutzen, pflegen und mit neuem Leben füllen.

So bleibt das Mesnerhaus, was es seit Jahrhunderten war: ein Ort für Menschen. Seine Geschichte endet nicht mit einem Datum. Sie wird jeden Tag weitergeschrieben.

Gestern bewahrt.

Heute gelebt.

Morgen weitergeschrieben.

Drei Seiten eines Hauses

Menschen und Haltung entdecken

Die Geschichte erzählt, wie das Gebäude wurde, was es heute ist. Lernen Sie die Menschen und die Haltung dahinter kennen.